Siedlungen werden planmäßig entfaltet.
| Wohnungen und Häuser | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Wohneinheiten Anfang 2000 | 310 | 88,6 % | 24 Häuser | Häuser Anfang 2000 | |
| Wohneinheiten Ende 2001 | 350 | 100% | 100 % | Häuser Ende 2001 | |
Doch das soziale Leben hat eine eigene Dynamik. Erst wenn die Häuser stehen, entfaltet sich das soziale Leben. In neuen Siedlungen gibt es keine gewachsenen Kontakte, auf die man vertrauensvoll bauen kann. Solche Kontakte bedürfen der Anstiftung, der Orte und Gelegenheiten, sie aufzubauen und zu pflegen. Die Siedlung Kampstrasse /Auf der Höchte ist ein bevorzugter Wohnbereich, solche Kontakte zu stiften, die Menschen ins Gespräch zu bringen und die neue Wohnung mit den Möglichkeiten des sozialen nachbarschaftlichen Lebens auszustatten. Die Arbeit von Arbeiterwohlfahrt und Stadtteilcentrum ist an der Lebenswelt der Menschen orientiert. Sie geht davon aus, daß Menschen die Hilfsmittel zur Gestaltung eines glücklichen Lebens im engen Umkreis ihrer Wohnung beziehen. Ziel ist es, solche Hilfsmittel im Kontakt der Menschen aufzubauen, zu entdecken, bekannt zu machen, ihre Nutzung anzuregen, sowie Orte und Unterstützungen bereit zu stellen, die zu einem gut entwickelten Gemeinwesen gehören. Die aktivierende Befragung in der Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg hat in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung: Es werden keine Daten abgesaugt, die zur Fernsteuerung taugen. Es werden die Situationen und Befindlichkeiten aus der Siedlung erfaßt und denen zurückgespiegelt, die als Mitbewohner dazu beitragen. Auf diese Weise gibt es kein Expertenergebnis, sondern die Situationen und Befindlichkeiten in der Siedlung werden zur Kenntnisnahme, zur Betroffenheit und zum Umgang mit ihnen offen gelegt. Die Befragung ist insofern nicht endlich und mit einer Auswertung abschließbar. Sie ist nämlich ein Prozess, das Gespräch der Bewohner zu unterstützen. Die hier skizzierten Auszüge sind nur ein sehr kleiner Spiegel der Siedlung. Alle Befragungsdaten sind in einer datenschützenden Verallgemeinerung öffentlich verfügbar, im Büro der Arbeiterwohlfahrt, im Stadtteilcentrum oder auf einem Datenträger, den man mit nach Hause nehmen kann ...
Hier findet man erst einmal einen überblick. Weitere Daten und Auswertungen werden nachgeliefert. Der vollständige Datensatz steht zur freien Verfügung.
... und so sieht der Fragebogen aus (Original DIN A 3) ...
auf der Vorderseite
auf
der Rückseite
| Wohneinheiten | Familien | Personen | ¯ |
|---|---|---|---|
| Sozialhilfeempfänger | 139 | 365 | 2,63 |
| andere | 171 | ||
| insgesamt | 310 |
| Religionszugehörigkeit | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anwohner | katholisch | % | evangelisch | % | sonstige | % | |
| Kampstrasse | 853 | 206 | 24,15 | 217 | 25,44 | 430 | 50,41 |
| Osterfeld | 41482 | 19008 | 45,82 | 10626 | 25,62 | 11848 | 28,56 |
| Altersstruktur | ||
|---|---|---|
| Alter | Personen | % |
| bis 6 Jahre | 46 | 12,6 % |
| 7 - 14 Jahre | 94 | 25,8 % |
| 15 - 18 Jahre | 32 | 8,8 % |
| 19 - 21 Jahre | 26 | 7,1 % |
| 22 - 60 Jahre | 157 | 43,0 % |
| über 60 Jahre | 10 | 2,7 % |
| · | 365 | 100,0 % |
| Nationalität | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Anwohner | deutsch | % | ausländisch | % | |
| Kampstrasse | 853 | 572 | 67,06 | 281 | 32,94 |
| Osterfeld | 41482 | 34103 | 82,21 | 7379 | 17,79 |
| Wo Kinder gern spielen ... | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| insgesamt | weil es leicht zu erreichen ist | weil da Freunde sind | weil es da ungefährlich ist | weil es nichts besseres gibt | weil meine Eltern da wohnen | andere Gründe | |
| ... auf der Strasse | 3 | 1 | 1 | ||||
| ... auf dem Spielplatz | 8 | 6 | 1 | ||||
| ... in der Wohnung | 7 | 3 | 2 | 1 | |||
| ... im Hof | 1 | 1 | |||||
| ... im Park | 2 | 1 | |||||
| ... woanders | 2 | 2 | |||||
| · | 23 | 2 | 8 | 4 | 2 | 3 | 0 |
| B11 man wohnt hier, weil ... | ||
|---|---|---|
| insgesamt | % | |
| die Familie hier wohnt | 23 | 39,7 % |
| die Gegend gefällt | 4 | 6,9 % |
| man nichts besseres gefunden hat | 16 | 27,6 % |
| die Wohnung preiswert ist | 5 | 8,6 % |
| man hier viele Leute kennt | 3 | 5,2 % |
| Verwandte in der Nähe wohnen | 1 | 1,7 % |
| der Weg zur Arbeit kurz ist | 2 | 3,4 % |
| sonstiger Grund | 4 | 6,9 % |
| · | 58 | 100,0 % |
| C12 was zur Freizeitgestaltung gewünscht wird ... | ||
|---|---|---|
| insgesamt | in Prozent | |
| eine größere Auswahl | 18 | 40,9 % |
| kein anderes Angebot | 5 | 11,4 % |
| bessere Angebote | 7 | 15,9 % |
| geschlechtsspezifische Angebote | 14 | 31,8 % |
| · | 44 | 100,0 % |
| C13 Zufriedenheit mit dem Leben | ||
|---|---|---|
| insgesamt | in Prozent | |
| sehr zufrieden | 13 | 20,3 % |
| ziemlich zufrieden | 23 | 35,9 % |
| geht so | 23 | 35,9 % |
| ziemlich unzufrieden | 1 | 1,6 % |
| sehr unzufrieden | 4 | 6,3 % |
| · | 64 | 100,0 % |
Erfahrungsbericht zum GöS-Programm
im Schuljahr 2000/2001
(Antragsnummer dü150a)
1. Zusammenfassende Charakterisierung:
In einer mehrjährigen Kooperation zwischen dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg und dem Jugendamt sind abgeschlossene Projekte mit zahlreichen Erfahrungen, Methoden und Ergebnissen gesammelt und dokumentiert worden. Dabei sind lebensweltorientierte Arbeitsprojekte als Lernprojekte von Schülern des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs durchgeführt und mit theoretischen Exkursen so fundiert worden, dass die teilnehmenden Schüler selbst zu fachlichen Ressourcen in der Lebenswelt wurden.
Die bisher durchgeführten Projekte sind als Internet Seiten unter http://koop.fundusev.de nachzulesen.
Die Kooperation soll weiterhin, auf bewährten Modulen aufbauend, vervollständigt und standardisiert werden.
2. Was gab den Anstoß zu unserem Verhaben?
Ergebnisse einer Voruntersuchung = Ausgangssituation:
Seit Mitte des Jahres 1997 entstand auf einem ehemaligen Kleingartengelände
an den Straßen Kampstraße und Auf der Höchte am Rande des Ortskerns Oberhausen-
Osterfeld eine Wohnsiedlung. Bis zum Ende des letzten Bauabschnitts (Ende 2001)
werden die bisher erstellten 310 Wohneinheiten auf 350 erweitert sein. Die Neubausiedlung
weist eine Bewohnerstruktur auf, die sich von der des übrigen Stadtteils deutlich
unterscheidet, da sie sich zu einem großen Teil aus einem sozial benachteiligten
Personenkreis (Sozialhilfeempfänger, Spätaussiedler, Langzeitarbeitslose, Ausländer)
zusammensetzt.
Aktuell gibt es aus der Perspektive der Jugendhilfe aus der Gesamtbewohnerschaft 15 Fälle zu bearbeiten. Anlass sind meistens Familienrechtsangelegenheiten (Sorgerechtsregelungen, Umgangsrecht) sowie Hilfen zur Erziehung und Beratungen, die häufig auf Hinweis aus den Herkunftsorten der Bewohner veranlasst werden. Mit der Besiedlung haben sich die hilfebedürftigen Familien dort verstärkt eingefunden ohne dass ein Ende dieser Entwicklung abzusehen ist.
Darüber hinaus sehen sich unbelastete Familien verstärkt veranlasst, die Siedlung wieder zu verlassen, so dass verstärkt Problemfamilien zuziehen werden. Da die Familienprobleme in einer eigentümlichen Wechselwirkung mit den Siedlungsbedingungen gruppiert werden, sind präventive und bildende pädagogische Arbeit übergreifend für und mit Kindern, Jugendlichen und Familien dringend erforderlich.
Für die 310, bald 350 Haushalte gibt es keine speziell auf die ãSiedlung Kampstraße/Auf der HöchteÒ bezogene Infrastruktur. Geplant ist bisher ein Kindergarten, der von Löwenzahn e.V. betrieben wird. Standorte für eine siedlungsbezogene pädago-gische Arbeit müssen aktuell außerhalb der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" erschlossen werden.
2.1 Zum Konzept raumorientierter Sozialarbeit
Die Arbeiterwohlfahrt hat nach Absprache und in der Kooperation mit dem Stadtteil Centrum die Aufgabe übernommen, im Bereich Kampstraße projekthaft, siedlungs-bezogen und raumorientiert pädagogisch zu arbeiten.
Das Grundkonzept der raumorientierten Sozialarbeit (liegt im Stadtteil Centrum vor) bezieht sich auf einen lebensweltlich zusammenhängenden Teil eines Gemeinwesens und erklärt die Lebensverhältnisse, Lebensformen und Lebenszusammenhänge der dort lebenden Menschen zu ihrem Ausgangspunkt. Die Bewohner sollen in ihrer Lebenswelt aktiviert und Subjekte gesellschaftlich-sozialen Handelns werden. Raumorientierte Sozialarbeit trägt dazu bei, dass die Bewohner die Möglichkeiten ihrer Lebenswelt nutzen, sich individuell und kollektiv so einzurichten, dass sie mit zunehmender Lebensqualität Leben und konflikthaften Anforderungen adäquat begegnen. Hierbei sollen die Bewohner lernen ihre Situation individuell und kollektiv zu erkennen, zu bewerten und Initiativen entwickeln, sie zu verändern.
Der raumorientierten Sozialarbeit fällt die Aufgabe zu, die notwendigen Fähigkeiten der Bewohner zu erkennen und nutzbar zu machen und ordnet die soziale und pädagogische / erwachsenenbildnerische Arbeit in eine ganzheitliche Sichtweise ein, die verschiedene Ebenen der Lebenswelt berücksichtigt, um die Bewohner zur Selbsthilfe zu befähigen.
Hierzu ist es notwendig die in der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" lebenden Menschen mit ihren Bedürfnissen, Ressourcen und Defiziten als Ausgangspunkt zu sehen. Impulse zu geben, die den Bewohnern Möglichkeiten eröffnen, Aktivitäten selbst und mit zugestalten.
Die im Stadtteil angesiedelten Hilfen verschiedener Einrichtungen und Verbände zu koordinieren und zu vernetzen, um Synergieeffekte für eine soziale Wirtschaftlichkeit zu nutzen.
2.2 Das Projekt
Das Projekt erfolgt in der geschäftsmäßigen Federführung durch die Arbeiterwohlfahrt (Frau Grothe). Es ist absolut offen für Verbände, Vereine und Institutionen, ihren Anteil im Rahmen des hier formulierten Konzeptrahmens einzubringen.
Eine Projektvorgabe war es, dass bis auf weiteres die pädagogische Arbeit als Peripheriearbeit erfolgt, da keine Räumlichkeiten innerhalb der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" zur Verfügung stehen. Es ist jedoch vorgesehen, einen Projektstandort in der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" selbst anzusiedeln, da dies die pädagogische Arbeit erleichtern würde. Gespräche mit dem Vermieter und der Stadt Oberhausen werden zur Zeit geführt.
2.3 Projektbestandteile
Allen konkret oder potentiell in der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" und im Stadtteil tätigen Institutionen und Verbände wurde eine koordinierte Projekteinbindung angeboten. Hierzu ist ein Gesprächkreis eingerichtet, für den bisher angesprochen sind:
Arbeiterwohlfahrt, Stadtteil Centrum Osterfeld, Caritasverband, OT Michelstraße, katholische Kirche, evangelische Kirche, Kindergarten Löwenzahn e. V., Waldorfkindergarten, Bahnhof Osterfeld Nord, Jugendhilfeplaner, GSO, Hauptschule Eisenheim, Erich-Kästner-Grundschule, Heideschule, Fröbelschule und das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Oberhausen für die aktivierende Befragung aller Haushalte.
Dieser Gesprächkreis trifft sich in regelmäßigen Abständen. Jeden Dienstag findet ein Beratungsangebot im Bahnhof Osterfeld - Nord statt. Daneben wird in die Möglichkeit geboten in gemütlicher Atmosphäre über die eigenen Erfahrungen in der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" zu sprechen. Aus diesem Angebot entwi-ckelte sich ein selbstorganisiertes Frühstück, aus dem weitere Aktionen (Angebote / Selbsthilfegruppen / Straßenfeste) entwickelt werden können.
Als Einstieg in die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen der "Siedlung Kampstraße / Auf der Höchte" wurde in den ersten drei Wochen der Sommerferien täglich ein ca. sechsstündiges Ferienprogramm für ca. 10 bis 15 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren angeboten. Dieses Ferienprogramm hatte das Ziel einen intensiven Kontakt zu den dort lebenden Kindern und ihren Eltern aufzubauen. Aus diesem Grund waren die Angebote nicht zu abgehoben bzw. kommerziell und für die Bewohner zu teuer . Der direkte Kontakt mit den Kindern stand im Vordergrund. Auf die Integration sozial benachteiligter Kinder legten wir einen besonderen Stellenwert.
Eine Hausaufgabenhilfe für schulschwache und psycho-sozial auffällige Kinder findet im Bahnhof Osterfeld - Nord mit Unterstützung von einer Honorarkraft jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag statt.
Während der Betreuung geht es in erster Linie darum, den Kindern in einer anderen Atmosphäre als in der Schule oder zu Hause zu helfen ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen. Sie sollen merken, wo ihre Schwächen sind und diese mit professioneller Unterstützung versuchen abzubauen. Zunächst soll ein Einstieg in die Arbeit durch eine gezielte Hilfe bei Hausaufgaben und Schulschwächen erreicht werden. Es wird jedoch nicht nur auf eine Betreuung der Hausaufgaben hinauslaufen. Die Kinder sollen nicht überfordert aber gefordert werden. So kann es sein, dass die Hausaufgaben manchmal nicht fertig sind und zu Hause weiter gemacht werden müssen. Außerdem werden durch übernahme von Verantwortlichkeiten den Kindern Selbstwertgefühl vermittelt (z. B. eigenverantwortliches Arbeiten im Fotolabor).
Zur Zeit findet einmal in der Woche für die Kinder der Siedlung eine Gruppe der Falken im Bahnhof Osterfeld - Nord statt. Diese ist jeden Dienstag von 16.00 - 17.30 Uhr. Dabei wird besonderes Augenmerk auf das Sozialverhalten gelegt. Die Gruppe besteht aus Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren.
2.4 In der praktischen Planung
Geplant wurde eine aktivierende Befragung. Diese liefert Hinweise auf Problemlagen und fehlende Ressourcen und darüber hinaus spiegelt sie den Bewohnern ihre Lebenswelt wider und gibt damit Hinweise, auf das eigene Potential, sich die Lebenswelt anzueignen.
Grundlage der aktivierenden Befragung war ein Fragebogen (siehe Anlage 1 und 2). Initiatoren waren Herr Ortmann vom Stadtteil Centrum Osterfeld und Herr Kämpfer vom Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Oberhausen mit Frau Grothe von der AWO Ober-hausen.
3. Was wollten wir erreichen
Das Interesse der Schule besteht an einer praxisnahen Vermittlung und Reflexion von Unterrichtsinhalten, wie sie vor allem in lebensweltorientierten Projekten der Jugendhilfe möglich sind.
Das Interesse der Jugendhilfe ist, die Ressourcen der Schule zu nutzen, Lebensweltressourcen aufzusammeln, für eine Verwertung der Bürger aufzubereiten und der Nutzung zuzuführen.
Als Einstieg in die Standardisierung gibt es
Eine ausführlichere Begründung für die Wahl des Schwerpunktes ist bereits unter Punkt 2. ãWas gab den Anstoß zu unserem Verhaben?Ò erläutert worden.
4. Bisherige Entwicklung
Die einzelnen Schritte des Projektes wurden in mehreren Besprechungen der Initiatoren mit den Schülerinnen und Schüler der BS01 sowohl in der Schule im Unterricht, als auch im Stadtteil Centrum Osterfeld und vor Ort bei einer Begehung der Siedlung ãKampstraße / Auf der HöchteÒ festgelegt.
Dazu gehörten
Darüber hinaus sollte die Lernortkooperation die Motivation der Schülerinnen und Schüler steigern, mit dem zusätzlichen Aspekt der Erhöhung der kommunikativen Kompetenz durch die aktivierende Befragung.
Erforderlich war zunächst die Erarbeitung von Kommunikationsregeln für die aktivierende Befragung. Methodische Grundlage waren viele Rollenspiele, mit Hilfe derer sich die Schülerinnen und Schüler kommunikative Qualifikationen für die Befragung aneignen konnten.
Zusätzlich mussten von den Schülerinnen und Schüler die theoretischen Kenntnisse und die qualitativ unterschiedlichen Bewertungen von Befragungen erarbeitet werden. Hierzu wurden von den Kooperationspartnern die personellen und fachlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt. Die Schülerinnen und Schüler lernten, dass der entwickelte Fragebogen nicht einfach an der Wohnungstür abgegeben werden kann mit dem Hinweis, dass er in ein paar Tagen abgeholt wird. Sie mussten darauf eingestimmt werden, in persönlichen Gesprächen mit den Betroffenen alle Variablen zu besprechen und Hilfestellung beim Ausfüllen des sehr komplexen Fragebogens zu geben. Damit sollten sie mit den Menschen ins Gespräch kommen und damit erste soziale Verantwortung für andere übernehmen. Damit werden mit der aktivierenden Befragung keine Daten abgesaugt, die zur Fernsteuerung taugen. Es werden die Situationen und Befindlichkeiten aus der Siedlung erfasst und denen zurück gespiegelt, die als Bewohner dazu beitragen. Auf diese Weise Ð und das war bewusst beabsichtigt Ð gibt es kein Expertenergebnis, sondern die Situationen und Befindlichkeiten in der Siedlung werden zur Kenntnisnahme, zur Betroffenheit und zum Umgang mit ihnen offen gelegt. Die Befragung ist insofern nicht endlich und mit einer Auswertung abschließbar. Sie ist ein Prozess, die Gespräche der Bewohner zu unterstützen. Die Ergebnisse, das heißt die Befragungsdaten sind in einer datenschützenden Verallgemeinerung öffentlich verfügbar, im Stadtteil Centrum, im Büro der Arbeiterwohlfahrt oder auf einem Datenträger . . .
In einer letzten Vorbesprechung haben sich die Schülerinnen und Schüler in Kleinstgruppen aufgeteilt und die Haushalte auf diese Gruppen verteilt.
Die Gruppen (zwei Schülerinnen bzw. Schüler) haben die aktivierende Befragung in der Siedlung durchgeführt. Dabei ergaben sich erste Schwierigkeiten.
Das entsprechende Feedback des Stadtteil Centrum wurde zugemailt mit folgendem Inhalt:
In unserem Projekt Kampstrasse ist die Motivation der Schülerinnen wohl hart an der unteren Grenze. Oder? Einige Fragebogen hatten so unverständlich wenige Kreuze ... Meine Leutinnen (sind ja andere) hatten übrigens keine harten Auskunftsverweigerer allerdings zahlreiche mit überbordendem Sprechbedürfnis, das sich manchmal nur schwer in die Fragen kanalisieren ließ. Könnte die Gruppe, deren Fragebogen schon da sind, vielleicht noch mal nachhaken?
Die Zeilen wurden der Klasse vorgelesen und mit den Schülerinnen und Schülern die Situation reflektiert. Ergebnis: sie haben ihre Erfahrungen verschriftlicht, die nachfolgend ohne jegliche bewusste Reihenfolge nacheinander und unkommentiert widergegeben sind
Die Bemerkungen wurden mit den Schülerinnen und Schülern noch einmal hinterfragt und gemeinsam kommentiert.
Mein Kommentar (der Verfasser) dazu ist, die ausgeprägte Heterogenität der Klasse führte teilweise nach dem Schneeballsystem zu einer Verbreitung von Unlust, obwohl alles so positiv begonnen hatte. Trotzdem waren nach dem Gespräch einige Schülerinnen und Schüler bereit, noch einmal in die Siedlung zu gehen um erneut Kontakte aufzubauen in den Haushalten, die den Fragebogen noch nicht abgegeben hatten.
In der Schule waren die Lernprozesse eingebunden in den Fächern ãBerufskunde der Sozialpädagogik/SozialarbeitÒ, ãInstitutionenlehre mit übungenÒ, ãPolitik/GesellschaftslehreÒ. Hier erfolgte auch die prozessbegleitende Reflexion der aktivierenden Befragung.
5. Perspektiven
Von den 365 Personen, die durch den Fragebogen erfasst worden sind, gibt es 172 Personen unter 18 Jahren (47,2%). Davon sind 140 Personen im Alter unter 14 Jahren (48,4%).
Die Variable ãwo Kinder gerne spiele ...Ò zeigte das Ergebnis, dass ein Drittel der Kinder am Liebste auf dem Spielplatz spielen.
Bei der ersten Begehung fiel bereits auf, dass der Bauträger an Spielplätze gedacht hatte, die alles andere als geeignet gestaltet, eigentlich überhaupt nicht gestaltet waren. Die Identifikation eines Spielplatzes in der Siedlung ist nur durch "ein Wippe-Pferdchen" möglich Ð das war es.
Konsequenz daraus soll eine aktivierende Dokumentation informeller und formeller Spielplätze im Stadtteil entstehen lassen und eine Wiederentdeckung historischer Spiele, die neben anderen Elementen geeignet sind, eine Straßenöffentlichkeit herzustellen. Diese Spiele werden von Schülerinnen und Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik gesammelt und von der einjährigen Berufsfachschule für Mediengestalter so verarbeitet, dass daraus ein Kalender für das Jahr 2002 entsteht.
Die Verwirklichung des Kalenders soll Institutionen und Gruppierungen anstiften, zusammenführen und ihre Ressourcen für das soziale Leben in Osterfeld bekannt und verfügbar zu machen.
Vorgesehen ist der Kalender in einer sogenannten Zip-case bzw. Leerhülle für CD. Auflage zwischen 300 Ð 500 Stück. In diese Hüllen passen sehr viele Kalenderblätter, die sich repräsentativ aufstellen lassen.
Die Vorgaben sind: Gestaltung der Kalenderblätter für jeweils 2 Wochen. Es sind also 25 Kalenderblätter vorgesehen. Darüber hinaus sind Werbeblätter ohne Kalendarium denkbar, mit denen gegen einen Kostenbeitrag pro Blatt Werbung einzelner Sponsoren (Firmen aus Osterfeld) gemacht werden könnte.
Auf der Rückseite der Kalenderblätter sollen ãSpiele Ð von Früher und HeuteÒ mit entsprechenden Spielanleitungen abgedruckt werden.
Der Kalender soll im November öffentlich vorgestellt und die Vorstellung mit Kinderspiel begleitet werden.
Der Kalender soll kostenlos vor allem über die beteiligten Gruppen / Institutionen zur Förderung und Anerkennung sozial relevanter Aktivitäten und zur Werbung für eine lebensweltorientierte Vielfalt sozialer Dienstleistungen in Osterfeld vertrieben werde. Es ist jedoch auch denkbar, dass mit einen geringen Kostenbeitrag der Kalender auch käuflich erworben werden kann.