Ein Schulweg

Vorworte

I. Der Schulweg von Flüchtlingskindern

Flüchtlingskinder unterliegen in der Regel nicht der Schulpflicht, und viele von ihnen nehmen das Recht zum Schulbesuch nicht wahr.

Diese Kinder haben damit denkbar schlechte Voraussetzungen für ihr späteres Leben, das sie oft schon seit vielen Jahren am Ende der Flucht in Oberhausen gestalten und ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Stadtteilcentren und die Schulen zeigen Initiative, den Schulbesuch für diese Kinder regelmäßiger und effektiver zu machen.

In einem Praktikum beim Stadtteilcentrum Osterfeld sind jetzt Sonja Melchior und Sibylle Lang, Schülerinnen des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs, der Frage nachgegangen, ob denn der Schulweg für den Schulbesuch hinderlich ist. Bei ihren Nachforschungen zwischen der Heideschule und der Unterkunft für Flüchtlinge an der Baustraße haben sie die Lebenswelt der Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge ausgeleuchtet und die Hindernisse für einen Schulbesuch benannt. Dabei sind tiefe Einblicke und originelle Lösungsvorschläge herausgekommen, die in dieser Mappe präsentiert werden und auch als Ausstellung zur Verfügung stehen. Diese Schülerarbeit macht sensibel, liefert Fakten und Ideen -- die sich allerdings nicht vereinzelt verwirklichen lassen. Kooperation ist angesagt und Zuversicht ist angebracht.

Das Projekt steht im Zusammenhang mit den im Stadtteilcentrum konzeptionierten Aktivitäten zur Verbesserung der pädagogischen Arbeit mit Flüchtlingen und für Flüchtlinge: ãDenk-mal - fremd in DeutschlandÒ

II. Zwischen Baustrasse und Heideschule

Kinder von Flüchtlingen haben ihren Lebensmittelpunkt in dieser Stadt - manche seit ihrer Geburt, viele mit ungewisser Zukunft. Die Schulbildung soll für sie eine Grundlage sein, ihr Leben hier oder anderswo zu gestalten.

Warum die Möglichkeit zum Schulbesuch tatsächlich und trotzdem nicht ausreichend genutzt wird, ist keine Frage, die Sie jetzt aus dem Stegreif beantworten sollten.

In der Arbeit von Sonja Melchior und Sibylle Lang, die im Rahmen eines Praktikums im Stadtteilcentrum Osterfeld & Tackenberg entstanden ist, werden sehr viele Spuren verfolgt, wo die Hindernisse auf dem Schulweg stehen. Genauer: Auf dem Schulweg von der Baustraße zur Osterfelder Heideschule.

Die Praktikantinnen haben also zunächst den Schulweg wörtlich genommen, und sie sind dann aber bald neugierig eingetaucht in die Welt der Flüchtlinge und ihrer vorübergehenden Siedlungen.

Arbeitsheft, Ausstellung und Internetpräsentation dokumentieren die Ergebnisse der Erkundung, geben Einblicke in die Erkundungsmethoden und liefern schließlich Vorschläge für die Verbesserung des Schulbesuchs.

Ein herzlicher Dank geht an viele, besonders aber an
Sibylle Lang, Sonja Melchior
Frau Weinberg (Heideschule)
Herrn Kämpfer (Käthe-Kollwitz-Berufskolleg)
und an Faton (für die gewährten Einblicke in sein Osterfelder Leben)

  

Hier beginnt der Schulweg

ruhig mal auf die Bilder klicken

Der Schulweg von Flüchtlingskindern
Praktikumsbericht
von Sibylle Lang & Sonja Melchior
Praktikum vom 12.April bis 14. Mai 1999

1 Einleitung
In der Zeit vom 12. April bis zum 14. Mai 1999 haben wir ein Praktikum im Stadtteilcentrum Osterfeld & Tackenberg (Jugendamt) absolviert. Hauptsächlicher Praxisbetreuer war Herr Ortmann, obwohl uns natürlich auch alle anderen Mitarbeiter zur Verfügung standen. Unsere Arbeit dort erfolgte in 3 Schwerpunkten:
1. Wir sollten die alltägliche Arbeit eines Jugendamtes kennenlernen.
2. Wir sollten einen Einblick in die Verwaltung des Jugendamtes bekommen und dort auch andere Bereiche kennenlernen (z. B. die Jugendgerichtshilfe).
3. Wir sollten ein Projekt im Rahmen der Arbeit des Stadtteilcentrum durchführen und auch in den 4 Wochen zu einem Ergebnis kommen.
Im Vorfeld des Praktikums überlegten wir gemeinsam mit Herrn Ortmann, welches Thema in die aktuelle Arbeit hineinpassen würde. Ein besonderer Wert wird im Moment auf die pädagogische Arbeit mit Asylbewerbern in der Siedlung Baustraße gelegt. So lag es nicht fern, ein Projekt in diesem Bereich durchzuführen. Da viele Kinder der Siedlung die Schule gar nicht, oder nur unregelmäßig besuchen, schlug Herr Ortmann vor, daß wir den Schulweg von der Baustraße zur Heideschule (zuständige Schule im Einzugsbereich) analysieren, dokumentieren und versuchen herauszukristallisieren, warum viele Kinder die Möglichkeit eines Schulbesuches nicht wahrnehmen (für Kinder von Asylbewerbern besteht keine Schulpflicht) und Hilfen zu finden, den Schulbesuch zu verbessern. Um das herauszufinden, mußten wir uns natürlich ein Konzept zur Vorgehensweise überlegen. Dabei bemerkten wir, daß sich die Problematik nicht nur alleine auf den Schulweg beschränkt, sondern auch in der Wohnsituation in der Siedlung, der pädagogische Arbeit der Lehrkräfte und in den vielfältigen Lerndefiziten der Kinder begründet ist. Um alle diese Dinge zu berücksichtigen überlegten wir uns eine Vorgehensweise, die die Untersuchung möglichst aller möglichen Ursachen beinhalte. Es ergaben sich folglich Unterthemen und spezielle Fragestellungen:
1.1 Der Schulweg ¥ Welche Störfaktoren treten auf, die die Kinder beeinträchtigen. (z.B. lange Wartezeichen an Ampel, Läden usw.) ¥ Gibt es Aggressionen unter den Kindern oder gegen die Kinder, die die Motivation eines Schulbesuches beeinträchtigen?
1.2 Unterricht in Integrationsklassen ¥ Ist die Lehrkraft in der Lage mit den Kindern umzugehen? ¥ Wie reagiert die Lehrkraft auf die Lerndefizite?
1.3 Die Siedlung ¥ Beeinträchtigen die notdürftigen Wohnunterkünfte den Schulbesuch?
1.4 Kindergarten ¥ Neben der Siedlung ist ein Kindergarten, allerdings wird dieser fast gar nicht von den Asylkindern genutzt. Welche Gründe liegen hierfür vor?
1.5 Spezieller Fall ¥ Anhand eines speziellen Falls möchten wir die Problematik verdeutlichen.
1.6 Umfrage unter den Anwohnern ¥Wie denken die Anwohner über die Siedlung und deren Bewohner?

2 Allgemeine Angaben zu den Flüchtlingen
Die Asylbewerber der Baustraße kommen aus Jugoslawien, Serbien, Bosnien und Mazedonien. Es handelt sich hierbei um folgende Personengruppen:
2.1 Abgelehnte Asylbewerber: Diese werden nur geduldet und deshalb nicht abgeschoben, weil ein Abschiebungshindernis (z.B. Bürgerkrieg) vorliegt.
2.2 Bürgerkriegsflüchtlinge: Diese warten nur auf eine Befriedigung ihres Heimatlandes.
2.3 Zigeuner: Diese können zu beiden Personengruppen gehören und grenzen sich hauptsächlich durch ihre Mentalität ab.
Alle Personengruppen werden nur notdürftig versorgt und müssen, wenn sie lediglich geduldet sind, soweit wie möglich alle ihre Ansprüche im Heimatland einfordern. Es gibt Trennungen und †berschneidungen zwischen diesen Personengruppen, z.B. ist ein Bürgerkriegsflüchtling oft auch ein abgelehnter Asylbewerber.

3 Der Schulweg
Der Schulweg ist für alle Grundschüler ein wichtiger Weg. Auf diesem können sowohl Ereignisse des letzten Tages mit Freunden als auch neue Freundschaften geknüpft werden. Außerdem fördert er die Selbständigkeit eines Kindes, da hier allein ohne die Eltern etwas getan wird. Allerdings kommt es manchmal vor, daß ein Schulweg nicht nur positiv zu bewerten ist. Es kann zu Streitigkeiten und Gewalttaten kommen, andere Dinge z.B. Spielplätze können ablenken und der Schulweg kann allgemein zu gefährlich (z.B. viel befahrene Straße) oder zu lang sein. Aufgabe in unserem Praktikum war es nun, herauszufinden, ob der Schulweg von der Baustraße zur Heideschule an der Kapellenstraße ein Hinderungsgrund für den regelmäßigen Schulbesuch der Asylkinder ist. Um dies herauszufinden beobachteten wir Kinder auf dem Weg zur Schule. Außerdem liefen wir den Schulweg ab, um eventuelle Störfaktoren durch z.B. Spielplätze, Läden oder lange Wartezeiten an Ampeln auszuschließen oder mit einbeziehen zu können. Dabei fanden wir folgendes heraus: Der Schulweg dauert bei normalen Gehtempo 15 Minuten. Er führt zwar an einer viel befahrenen Straße entlang, allerdings ist ein ausreichend großer Gehweg vorhanden. Die Kinder müssen auf ihrem Weg zwei Ampeln überqueren, die Wartezeiten sind dort relativ kurz (45 und 20 Sekunden). Spielplätze liegen nicht auf dem Weg. Nur eine Rutsche ist neben dem Gelände der Landesgartenschau (OLGA) zu sehen. Allerdings gibt es mehrere Trinkhallen und einen Supermarkt. Ablenkend könnte eventuell die auf dem Schulweg liegende und seit dem 1.Mai 99 geöffnete Landesgartenschau sein, wobei auch sie nicht besonders interessant für Kinder sein dürfte. Bei der Beobachtung der Asylkinder auf dem Weg zur Schule konnten wir nichts auffälliges feststellen. Viele Kinder warten in der Siedlung auf die anderen Kinder, was offensichtlich zu Verspätungen führt. Einige Kinder gehen auch alleine zur Schule, doch meist sind es Gruppen von 3-4 Kindern. Die Kinder gingen auf geradem Weg zur Schule und kamen dort auch an, ohne daß es besondere Konflikte gab. Zwar machten einige Kinder Zwischenstops an Trinkhallen, doch der Aufenthalt dort war nur von kurzer Dauer. Sie kauften sich dort etwas Süßes oder Brötchen .Hierbei stellt sich die Frage, wie wichtig das Frühstücksbrot in den Flüchtlingsfamilien genommen wird und ob und wie man den Nutzen eines Frühstücksbrotes unterstützen kann. Fazit: Der Schulweg an sich kann kein Hinderungsgrund für einen regelmäßigen Schulbesuch sein, da es keine besonderen ablenkenden Dinge gibt.

4 Der Unterricht in der Integrationsklasse
An der Heideschule ist für die Asylkinder eine Integrationsklasse eingerichtet worden um Lerndefizite zu beheben und die Kinder später in ihre Stammklassen einzugliedern. Die Klasse wird mehr oder weniger regelmäßig zur Zeit von 11 Kindern besucht. Der Klassenraum, ein schlecht ausgestatteter und sehr beengter Gruppenraum, läßt lediglich Frontalunterricht ohne Bewegungsfreiheit zu. Da fast alle Kinder keinen Kindergarten besucht haben, ist dieses besonders problematisch, da fast kein Kind die Fähigkeit besitzt, sich über einen längeren Zeitraum hinweg konzentrieren zu können. Diese Fähigkeit wird aber im Kindergarten geschult. Zur Zeit wird die Klasse von einer Zeitangestellten, die eigentlich als Vertretungslehrerin eingestellt ist, unterrichtet. Um herauszufinden ob der Unterricht ein Grund für den mangelnden Schulbesuch ist, hospitierten wir an einem Vormittag in der Klasse: Die Kinder beteiligen sich zum Teil sehr eifrig am Unterricht, allerdings wissen sie oft nicht was sie sagen sollen, wenn die Lehrerin sie zum Gespräch auffordert. Nach kurzer Zeit läßt bei fast allen die Konzentration nach und der Lärmpegel steigt deutlich an. Einige erarbeiten ihre Aufgaben selbständig, doch meist wird die Hilfe der Lehrerin in Anspruch genommen. Die Lehrerin bleibt auch bei einem sehr hohem Lärmpegel ruhig. Ihre Stimme wird dann zwar etwas lauter, aber sie beginnt nicht zu schreien. Sie ist zwar konsequent, aber sie wirkt nicht übertrieben streng. Sie gibt den Kindern Hilfestellungen und erklärt ihnen etwas, wenn nötig auch mehrmals, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Auffällig sind die Verspätungen der Kinder, manche haben bis zu 315 Verspätungsminuten im Monat. Fazit: Der Unterricht an sich dürfte kein Hinderungsgrund für den Schulbesuch sein. Die Lehrerin verhält sich den Kindern gegenüber weder abwertend noch ablehnend, auch scheinen die Kinder sie zu mögen

5 Der Kindergarten
Neben der Siedlung ist ein Kindergarten. Da es sich hierbei um die KTE Emek, einem interkulturellen Kindergarten handelt, stellt sich natürlich die Frage: Warum besuchen fast keine Kinder der Siedlung den Kindergarten? Um dies in Erfahrung zu bringen, setzten wir uns mit der Leiterin der Einrichtung in Verbindung. Diese erzählte uns, daß in den Vorjahren schon oft Kinder angemeldet waren, diese aber meist nach ein paar Monaten wieder abgemeldet werden mußten. Auf unsere Frage hin nannte sie uns folgende Gründe:
5.1 Da der Kindergarten eine Elterninitiative ist, muss ein Beitrag in Höhe von 30 DM zur Selbsterhaltung beigetragen werden. Allerdings wurde dieser von den Eltern der Asylkindern sehr selten bezahlt.
5.2 Die Kinder müssen aus pädagogischen (so können Elterngespräche geführt werden) und vor allem haftungsrechtlichen Gründen vom Kindergarten abgeholt werden. Allerdings wurden die Kinder so gut wie nie abgeholt.
5.3 Oft kamen die Kinder sehr müde in den Kindergarten, da es in der Siedlung bis spät in die Nacht sehr laut ist. Es ist natürlich schwer möglich in einem Zimmer einzuschlafen, in dem sich aus Platzgründen noch andere Personen aufhalten. Sie schliefen dann morgens erst einmal auf einer Matratze im Kindergarten eine ganze Zeit. Dies ist natürlich nicht der Sinn des Kindergartens.
5.4 Die Asylkinder kommen sehr unregelmäßig in den Kindergarten. Oft fehlen sie mehrere Wochen. So besetzen sie einen wichtigen Kindergartenplatz der auch anderweitig schnell zu besetzen wäre.
Alle diese Gründe treffen meist geballt aufeinander. Da der Kindergarten nach Aussagen der Leiterin nie Unterstützung zu diesem Thema bekommen hat, ist sie zur Zeit auch nicht bereit, Asylkinder aufzunehmen. Sie erwartet Hilfe durch andere Institutionen. Es wäre allerdings sehr wichtig, daß die Asylkinder einen Kindergarten besuchen, um erst einmal besser die deutsche Sprache zu beherrschen und um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben, die in der Schule erwartet werden. Daß dies möglich ist, zeigt ein Beispiel eines Mädchens aus der Siedlung, das vor einem Jahr ohne irgendwelche Vorkenntnisse zu besitzen und einem sehr geringen Wortschatz an deutschen Wörtern in den Kindergarten gekommen ist. Dieses Jahr wird sie in die Grundschule kommen und besitzt nach Einschätzung der Leiterin sehr gute Voraussetzungen dafür. Fazit: Dadurch, daß die meisten Asylkinder keinen Kindergarten besucht haben, fällt es ihnen natürlich sehr schwer, im Unterricht den Anforderungen zu entsprechen. Allein das Stillsitzen und eine längere Konzentration sind fast unmöglich. Der fehlende Kindergartenbesuch kann einer der Gründe für den mangelnden Schulbesuch sein, da der Unterricht den Kindern möglicherweise deshalb besonders schwer fällt.

6 Die Wohnsiedlung
Die Asylbewerber leben konzentriert in einer Siedlung auf der Baustraße. In 45 Wohnungen sind ca. 206 Menschen untergebracht. Ein Asylbewerber hat im Durchschnitt ca. 6,09 m2 zur Verfügung. Da sich sehr viele Personen wenige Räume teilen müssen, gibt es keinen Rückzugsbereich. Die Kinder können abends sehr schlecht einschlafen, da sich noch immer andere Personen im Raum befinden. So bekommen sie zu wenig Schlaf und sind morgens übermüdet. Die meisten Bewohner der Siedlung sind Zigeuner und haben natürlich eine ganz andere Lebensweise. Für sie ist es nicht üblich, morgens früh aufzustehen und z.B. zur Schule zu gehen. Bei abendlichen Beobachtungen der Siedlung stellten wir auch fest, daß sich die Kinder bis spät abends noch auf dem Hof aufhalten und dort spielen. Da die Asylbewerber sehr konzentriert leben bilden sich natürlich Kinder- und Jugendbanden, die aufgrund sehr ärmlicher Verhältnisse oft kriminelle Taten begehen. Allerdings sind diese Gangs auch oft die zweite Familie, mit der man natürlich lieber rumhängt, als in der Schule zu sitzen. Fazit: Die Situation in der Siedlung ist ein wichtiger Grund für den mangelnden Schulbesuch. Der mangelnde Schlaf der Kinder führt dazu, daß sie morgens zu müde sind um aufzustehen und zur Schule zu gehen. Es gibt keine Möglichkeiten sich zurückzuziehen, um in ruhiger Atmosphäre Hausaufgaben zu erledigen. Außerdem ist es auch so, daß ein regelmäßiger Schulbesuch einfach nicht zu der Mentalität der Zigeuner gehört.

7 Ein spezieller Fall
Wir hatten uns nun schon allgemein damit beschäftigt, Gründe für den mangelnden Schulbesuch herauszufinden. Uns interessierte nun aber auch ein spezieller Fall, an dem wir untersuchen wollten, warum der Schulbesuch nicht regelmäßig stattfindet. Da das Stadtteilcentrum sich im Rahmen der Jugendhilfe mit einigen Familien besonders beschäftigt, lag es nicht fern, ein Kind aus einer dieser Familien anzusprechen und zu begleiten. Besonders wird sich im Moment mit der Familie X beschäftigt .Diese Familie lebt seit ca. 10 Jahren in Deutschland. Der ältere Sohn Y (15 Jahre) sowohl auch der jünger Sohn Z ( 8 Jahre) sind schon häufig durch kriminelle Delikte bei der Polizei aufgefallen. Y lebt zur Zeit in einer individualpädagogischen Betreuung außerhalb von Oberhausen. Z sollte eigentlich die Integrationsklasse der Heideschule besuchen, allerdings fehlt er dort fast immer und fällt nach Angaben der Lehrerin durch Störungen des Unterrichts auf. Er erhielt deshalb auch schon an einem Tag Schulverbot. Bei unserer Hospitation des Unterrichtes konnten wir bei Z eine erhebliche Konzentrationsschwäche feststellen. Weiterhin hinkt er aufgrund seiner vielen Fehlzeiten dem Rest der Klasse hinterher. Die Lehrerin vermutet bei ihm eine Lernschwäche. Nach einem Besuch in der Wohnung der Familie sprachen wir auch mit der Mutter. Sie erzählte uns, daß sie keinerlei Einfluss auf das Verhalten ihres Sohnes habe und er sich oft bis 11 Uhr nachts "irgendwo draußen herumtreibe. So sei er natürlich morgens nicht ausgeschlafen. Da der Vater wegen einiger Delikte im Gefängnis sitzt, ist die Mutter im Moment die einzige Erziehende. Ihre Kultur sieht es aber so vor, daß nur ein Mann das ãSagenÒ hat. Außerdem teilte uns Z mit, daß er von serbischen Kindern oft beschimpft oder sogar verprügelt werde, daß also der Krieg im Kosovo hier fortgesetzt wird. Bei unseren Beobachtungen konnten wir davon nichts feststellen. Allerdings ist es möglich, daß es passierte, als wir nicht in der Nähe waren. Fazit: Bei diesem Jungen liegen die Defizite sicherlich auch an der fehlenden Erziehung des Vaters. Außerdem könnte der ältere Bruder eine eher negative Vorbildfunktion haben. Auch in dieser Familie liegt es natürlich an der Wohnsituation in der Siedlung, die einem Schulbesuch entgegen steht.

8 Interviews mit Anwohnern
Wir erfuhren durch unsere Nachforschungen eine Menge über die Asylbewerber, trotzdem oder gerade deshalb interessierte uns die subjektive Meinung einiger Anwohner der Siedlung. Es war sehr schwer, Antworten auf unsere Fragen zu bekommen, da viele von vornherein ablehnten, spätestens dann, wenn sie hörten, um was es in der Umfrage ging. Manche allerdings waren gerne bereit, unsere Fragen zu beantworten.

Wir wollten wissen, wie die Anwohner der Siedlung über die Flüchtlinge denken! Um das zu erfahren, führten wir Interviews durch. Dabei kam folgendes heraus: , Die meisten der Befragten haben sich noch nie Gedanken zu diesem Thema gemacht. , Viele fühlen sich durch die Anwesenheit der Flüchtlinge gestört, nennen aber keine besonderen Gründe dafür. , Einige sind der Meinung, den Flüchtlingen müsste stärker geholfen werden. Andere dagegen meinen, so wie es jetzt ist, würde es reichen. , Die meisten meinen zwar, es sei in Ordnung, daß sie hier sind, solange sie sich benehmen. Allerdings macht sich kaum jemand Gedanken darüber, wie sie leben und ob es ihnen auch gut geht. Da die Antworten mitunter sehr unterschiedlich ausfielen wollen wir hier einige Zitate wiedergeben.

Die Meinung der Anwohner über Flüchtlinge in ausgewählten Stellungnahmen, die die Bandbreite der Aussagen spiegeln:
Waren sie schon einmal in der Siedlung?
¥ ãNein ich war noch nicht in der Siedlung, ich kann mir auch nicht vorstellen wie es dort aussieht.Ò
¥ ãNein ich war noch nicht in der Siedlung, aber so wie es dort aussieht leben sie dort nicht so gut.Ò
¥ ãIch war noch nicht in den Häusern, aber drumherum ist es ja schrecklich. Jeder kloppt sich eine Stange in den Boden mit einer Antenne dran, überall hängen Teppiche, schlimm.Ò
Was fällt ihnen spontan zum Thema Asylbewerber ein?
¥ ãDie passen sich nicht an.Ò
¥ ãHeimatlos, ganz andere Mentalität, alle Menschen sind gleich.Ò
¥ ãKann ich gar nichts zu sagen.Ò
Würden sie ihre Kinder mit Asylkindern spielen lassen?
¥ ãWarum nicht, das sind genauso Menschen wie wir.Ò
¥ ãIch habe Enkelkinder, aber meine Schwiegertochter würde die bestimmt nicht mit denen spielen lassen.Ò
¥ ãWeiß ich nicht, kann ich nicht sagen.Ò
Haben sie positive oder negative Erfahrungen mit Asylbewerbern gemacht?
¥ ãGegen Asylbewerber habe ich eigentlich nichts, wenn die sich ordentlich benehmen, aber man sieht ja wie verdreckt es hier ist.Ò
¥ ãIm großen und ganzen habe ich mit dem Thema noch nichts zu tun gehabt.Ò
¥ ãIch wurde zwar schon mal von einem Asylanten überfallen, aber das hätte ja auch ein Deutscher sein können.Ò
Sind sie der Meinung, das den Asylbewerbern mehr geholfen werden muss, sei es durch Geld oder menschliche Hilfe?
¥ ãWenn alte Sachen für die gesammelt werden, dann schmeißen sie eh weg was ihnen nicht gefällt. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Hab ich jedenfalls gehört.Ò
¥ ãSie müssen ganz schnell integriert werden und arbeiten dürfen, damit sie sich heimisch fühlen.Ò
¥ ãManche brauchen ja wirklich Hilfe. Aber von mir aus können sie die Häuser abreißen und den früher geplanten Parkplatz dort hinbauen. Die leben außerdem vom Staat und sollten mehr Dankbarkeit zeigen"

9 Die Ergebnisse der Untersuchung
1
Der Schulweg wirkt sich kaum auf die Regelmäßigkeit des Schulbesuchs aus.
2 Der Unterricht selbst ist nicht der Grund für den mangeln- den Schulbesuch, aber: - die Lehrerin ist eher notgedrungen für die Asylantenkinder da; das System der Schule würde eher Vertretungsunterricht für sinnvoll halten - der Klassenraum ist zu klein und grenzt Entfaltungsmöglichkeiten ein.
3
In der Siedlung herrschen katastrophale Verhältnisse: - die Kinder haben keine Rückzugsmöglichkeiten - die Kinder können abends nicht früh genug einschlafen,um morgens fit zu sein - die Menschen in der Siedlung haben eine für uns fremde Mentalität: Ein regelmäßiger Schulbesuch wird von vielen als nicht besonders wichtig angesehen - die Kriminalität in der Siedlung ist hoch und sicher auch in der dort herrschenden ärmlichkeit und Enge mit begründet.
4
Der Kindergarten neben der Siedlung wird von den Asylkindern (fast) gar nicht besucht. - Oft waren Asylkinder angemeldet, doch da viele Schwierigkeiten auftraten und der Kindergarten keine Hilfe von anderen Institutionen bekommen hat, mussten die Asylkinder wieder abgemeldet werden. - Durch den mangelnden Kindergartenbesuch fehlen den Kindern wichtige Voraussetzungen für die Schule (z.B. die Fähigkeit sich über einen längeren Zeitraum hinweg konzentrieren zu können).

10 änderungsvorschläge
Durch unsere Untersuchungen hatten wir nun herausgefunden welche Dinge den regelmäßigen Schulbesuch beeinflussen. Es war deshalb klar, dass einige Dinge geändert werden müssen, um den Schulbesuch zu verbessern. Folgende Dinge sollten unserer Meinung nach geändert werden:
10.1 Alle beteiligten Institutionen müssen zusammenarbeiten und sich der Wichtigkeit dieser Sache bewusst sein.
10.2 Für den Unterricht in der Integrationsklasse muss ein Lehrer eingestellt werden, der nur für diese Klasse zuständig ist und nicht als Lehrer 2. Klasse bezahlt werden.
10.3 Der Unterricht muss in einem größerem Raum stattfinden der auch Platz für z.B. eine Spielecke bietet.
10.4 Der Idealfall wäre eine Auflösung der konzentrierten Siedlung und die Beschaffung menschenwürdigerer Wohnverhältnisse.
10.5 Den Eltern der Asylkinder muss klargemacht werden, wie wichtig ein regelmäßiger Schulbesuch für ihre Kinder ist.
10.6 Da die Kinder der Siedlung oft verschlafen und so zu spät oder gar nicht zur Schule kommen wäre es sinnvoll einen "Weckdienst" einzurichten. Diesen könnte z.B. eine Mutter in der Siedlung übernehmen.
10.7 Eine individuelle Förderung der Kinder, die in der Schule erhebliche Schwierigkeiten haben, ist notwendig.
10.8 Eine regelmäßige Hausaufgabenbetreuung wäre sinnvoll, da eine Förderung innerhalb der Familie meist nicht stattfindet.
10.9 Da die Kinder auch Schwierigkeiten bei einem regelmäßigem Kindergartenbesuch haben, wäre es vielleicht sinnvoll eine ãVorgruppeÒ einzurichten, die auf den Kindergarten vorbereitet.

11 Reflexion
Dieses Praktikum war etwas völlig neues für uns. Wir hatten bis dahin ja nur ein Praktikum im Kindergarten gemacht, und wussten überhaupt nicht, was uns erwartet. Im Vorfeld des Praktikums besprachen wir zwar mit Herrn Ortmann das Projekt, aber trotzdem wussten wir nicht so genau, was eigentlich von uns erwartet wurde. Auch im Praktikum hatten wir manchmal das Gefühl, nicht zu wissen, wie es denn nun überhaupt weitergehen soll. Doch diese Angst legte sich irgendwann, als wir merkten, daß es eigentlich ganz gut klappte. Besonders gut gefiel uns an diesem Praktikum, daß wir völlig selbstständig arbeiten konnten und uns nur ein bestimmter Rahmen vorgegeben wurde. Auch das Thema an dem wir arbeiten sollten, erwies sich als sehr interessant und breitbandig. Aber wir beschäftigten uns ja nicht nur mit dem Projekt, sondern sollten auch die tägliche Arbeit des Jugendamtes kennenlernen. Da diese ja sehr vielfältig ist, konnten wir natürlich nicht alles kennenlernen, sondern beschäftigten uns mit den Dingen, die uns besonders interessant erschienen. Dazu gehörten Besuche bei der Jugendgerichtshilfe, bei der Drogenberatung und bei der Pflegekinder- und Adoptionsvermittlungsstelle. Dort erzählten uns die Mitarbeiter etwas über ihre Arbeit und die Hintergründe. Aber auch im Stadtteilcentrum hatten wir die Möglichkeit, in einige Dinge hineinzuschnuppern. Dabei interessierte uns besonders das Lesen von Akten über Fälle, die im Jugendamt bearbeitet werden. Dabei lernten wir besonders die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Vorher hatten wir immer gedacht, wenn Eltern und Kinder starke Probleme miteinander haben, muss das Kind in ein Heim. Durch das Lesen der Akten und auch durch Gespräche mit den Mitarbeitern wurde uns klar, wie viele individuellen Hilfsangebote es für Familien gibt. Wir denken, daß uns das in unserer Arbeit als Erzieherinnen nur nützlich sein kann. Etwas Negatives können wir über dieses Praktikum eigentlich überhaupt nicht berichten. Es war alles sehr interessant und informativ. Auch die Mitarbeiter des Stadtteilcentrums waren sehr nett und beantworteten uns geduldig alle Fragen. In der Meinung über unsere berufliche Zukunft, hat uns dieses Praktikum bestärkt. Wir hatten schon vor dem Praktikum mit dem Gedanken gespielt, später einmal als Sozialarbeiterinnen im Jugendamt zu arbeiten. Nach den 4 Wochen im Stadtteilcentrum denken wir, daß wir dies auch einmal wirklich tun werden. Wir denken, daß wir nach unserer Ausbildung zur Erzieherin erst einmal in einem Heim arbeiten werden und nach ein paar Jahren Sozialpädagogik- Sozialarbeit studieren werden. Danach möchten wir aber auch erst einmal wieder im Heim arbeiten, um praktische Erfahrung zu sammeln. Später möchten wir dann ganz gerne im Jugendamt arbeiten. Zusammenfassend können wir nur sagen, daß wir sehr froh sind, die Möglichkeit gehabt zu haben, dieses Praktikum zu machen. So hatten wir einen Einblick in eine Arbeit, die man so nicht ohne weiteres kennenlernen kann. Besonders auch die Arbeit an dem Projekt hat uns begeistert , weil wir so eine Menge über die Asylbewerber erfahren habe. Mit diesem Thema hatten wir uns vorher nie auseinandergesetzt.

 

Dies ist die Internetfassung -- wir haben aber auch eine Schriftfassung -- und eine Ausstellungsfassung

Ja, wir stehen jetzt vor der Flüchtlingssiedlung. Viele Kinder von hier gehen nicht zur Schule oder kommen oft zu spät. Wir haben gehört, der schulweg wäre der grund dafür. -- Mal gucken, ob das stimmt.
Aus dieser Tür kommen die Flüchtlingskinder morgens heraus, wenn sie zur Schule gehen.
Okay, dann wollen wir `mal losgehen!
Aha, das ist also eine Spielstraße gewesen, viele Autos fahren hier ja nicht lang.
Wir haben die Freiligrathstraße jetzt verlassen und biegen in die Rheinische Straße ein.
Da ist ein Wegweiser.W o müssen wir den jetzt lang? Ich glaub« Richtung OLGA. -- Also links!
Jetzt müssen wir über die Ampel.
Drücken
Warten
Und nach 45 Sekunden ist grün. Lange mussten wir ja nicht warten.
Und weiter geht es geradeaus.
Mensch so viele Treppen. Ob das die Kinder davon abhält, pünktlich zur Schule zukommen? Ne, ich glaube nicht. Treppen sind ja nun wirklich nicht so interessant.
Aha, jetzt kommt also die OLGA. Aber ob Kinder sich so sehr für Blumen interessieren?
Oh, eine Rutsche. Okay, hier könnte man ja ein paar Minuten vertrödeln. Und außerdem haben wir ja auch noch keine Kinder gesehen, die hier morgens rutschen.
Dann wollen wir `mal weiter. Ganz schön breit die Vestische Straße. Die Autos fahren auch sehr schnell, aber der Bürgersteig ist ja auch breit genug . Hier droht keine Gefahr.
Und wieder geradeaus. Mensch ist denn hier nix Interessantes?
Doch, da links. Ein Riesenrad! Das ist ja toll. und da sind auch so viele Zelte. Das ist natürlich ziemlich interessant, aber ob hier um diese Zeit schon `was los ist? -- Bestimmt nicht.
Also weiter!
Hey, da rechts ist eine Bude. Wer noch Hunger hat, kann sich noch `was holen. Aber sehr lange wird's ja wohl nicht dauern.
Schau mal, da ist ein Supermarkt. Aber wer kein Geld hat, kann auch nichts kaufen und selbst wenn, wird auch das nur ein paar Minuten dauern.
Aha die nächste Ampel, da müssen wir `rüber.
Und wieder drucken.
Warten
Grün -- Gehen -- Auch hier müssen wir nicht lange warten. Diesmal sogar nur 20 Sekunden.
Jetzt sind wir schon auf der Kapellenstraße. Gleich sind wir dann wohl an der Schule.
Ah da ist die Bushalte-stelle. Wer mit dem Bus gefahren ist, muss nun aussteigen.
Wenn wir jetzt rechts `reingehen, kommen wir auf die Malzstraße. Dort ist auch der Haupteingang zur Schule.
Geradeaus gehen und gleich sind wir da.
Wir stehen jetzt vor der Osterfelder Heideschule.
Wenn wir jetzt hier durchgehen, stehen wir auf dem Schulhof.