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Der Schulweg von Flüchtlingskindern
Praktikumsbericht
von Sibylle Lang & Sonja Melchior
Praktikum vom 12.April bis 14. Mai 1999
1 Einleitung
In der Zeit vom 12. April bis zum 14. Mai 1999 haben wir ein Praktikum
im Stadtteilcentrum Osterfeld & Tackenberg (Jugendamt) absolviert. Hauptsächlicher
Praxisbetreuer war Herr Ortmann, obwohl uns natürlich auch alle anderen
Mitarbeiter zur Verfügung standen. Unsere Arbeit dort erfolgte in 3 Schwerpunkten:
1. Wir sollten die alltägliche Arbeit eines Jugendamtes kennenlernen.
2. Wir sollten einen Einblick in die Verwaltung des Jugendamtes bekommen
und dort auch andere Bereiche kennenlernen (z. B. die Jugendgerichtshilfe).
3. Wir sollten ein Projekt im Rahmen der Arbeit des Stadtteilcentrum durchführen
und auch in den 4 Wochen zu einem Ergebnis kommen.
Im Vorfeld des Praktikums überlegten wir gemeinsam mit Herrn Ortmann,
welches Thema in die aktuelle Arbeit hineinpassen würde. Ein besonderer
Wert wird im Moment auf die pädagogische Arbeit mit Asylbewerbern in der
Siedlung Baustraße gelegt. So lag es nicht fern, ein Projekt in diesem
Bereich durchzuführen. Da viele Kinder der Siedlung die Schule gar nicht,
oder nur unregelmäßig besuchen, schlug Herr Ortmann vor, daß wir den Schulweg
von der Baustraße zur Heideschule (zuständige Schule im Einzugsbereich)
analysieren, dokumentieren und versuchen herauszukristallisieren, warum
viele Kinder die Möglichkeit eines Schulbesuches nicht wahrnehmen (für
Kinder von Asylbewerbern besteht keine Schulpflicht) und Hilfen zu finden,
den Schulbesuch zu verbessern. Um das herauszufinden, mußten wir uns natürlich
ein Konzept zur Vorgehensweise überlegen. Dabei bemerkten wir, daß sich
die Problematik nicht nur alleine auf den Schulweg beschränkt, sondern
auch in der Wohnsituation in der Siedlung, der pädagogische Arbeit der
Lehrkräfte und in den vielfältigen Lerndefiziten der Kinder begründet
ist. Um alle diese Dinge zu berücksichtigen überlegten wir uns eine Vorgehensweise,
die die Untersuchung möglichst aller möglichen Ursachen beinhalte. Es
ergaben sich folglich Unterthemen und spezielle Fragestellungen:
1.1 Der Schulweg ¥ Welche Störfaktoren treten auf, die die Kinder beeinträchtigen.
(z.B. lange Wartezeichen an Ampel, Läden usw.) ¥ Gibt es Aggressionen
unter den Kindern oder gegen die Kinder, die die Motivation eines Schulbesuches
beeinträchtigen?
1.2 Unterricht in Integrationsklassen ¥ Ist die Lehrkraft in der Lage
mit den Kindern umzugehen? ¥ Wie reagiert die Lehrkraft auf die Lerndefizite?
1.3 Die Siedlung ¥ Beeinträchtigen die notdürftigen Wohnunterkünfte den
Schulbesuch?
1.4 Kindergarten ¥ Neben der Siedlung ist ein Kindergarten, allerdings
wird dieser fast gar nicht von den Asylkindern genutzt. Welche Gründe
liegen hierfür vor?
1.5 Spezieller Fall ¥ Anhand eines speziellen Falls möchten wir die Problematik
verdeutlichen.
1.6 Umfrage unter den Anwohnern ¥Wie denken die Anwohner über die Siedlung
und deren Bewohner?
2 Allgemeine Angaben zu
den Flüchtlingen
Die Asylbewerber der Baustraße kommen aus Jugoslawien, Serbien,
Bosnien und Mazedonien. Es handelt sich hierbei um folgende Personengruppen:
2.1 Abgelehnte Asylbewerber: Diese werden nur geduldet und deshalb nicht
abgeschoben, weil ein Abschiebungshindernis (z.B. Bürgerkrieg) vorliegt.
2.2 Bürgerkriegsflüchtlinge: Diese warten nur auf eine Befriedigung ihres
Heimatlandes.
2.3 Zigeuner: Diese können zu beiden Personengruppen gehören und grenzen
sich hauptsächlich durch ihre Mentalität ab.
Alle Personengruppen werden nur notdürftig versorgt und müssen, wenn sie
lediglich geduldet sind, soweit wie möglich alle ihre Ansprüche im Heimatland
einfordern. Es gibt Trennungen und †berschneidungen zwischen diesen Personengruppen,
z.B. ist ein Bürgerkriegsflüchtling oft auch ein abgelehnter Asylbewerber.
3 Der Schulweg
Der Schulweg ist für alle Grundschüler ein wichtiger
Weg. Auf diesem können sowohl Ereignisse des letzten Tages mit Freunden
als auch neue Freundschaften geknüpft werden. Außerdem fördert
er die Selbständigkeit eines Kindes, da hier allein ohne die Eltern
etwas getan wird. Allerdings kommt es manchmal vor, daß ein Schulweg
nicht nur positiv zu bewerten ist. Es kann zu Streitigkeiten und Gewalttaten
kommen, andere Dinge z.B. Spielplätze können ablenken und der
Schulweg kann allgemein zu gefährlich (z.B. viel befahrene Straße)
oder zu lang sein. Aufgabe in unserem Praktikum war es nun, herauszufinden,
ob der Schulweg von der Baustraße zur Heideschule an der Kapellenstraße
ein Hinderungsgrund für den regelmäßigen Schulbesuch der
Asylkinder ist. Um dies herauszufinden beobachteten wir Kinder auf dem
Weg zur Schule. Außerdem liefen wir den Schulweg ab, um eventuelle
Störfaktoren durch z.B. Spielplätze, Läden oder lange Wartezeiten
an Ampeln auszuschließen oder mit einbeziehen zu können. Dabei
fanden wir folgendes heraus: Der Schulweg dauert bei normalen Gehtempo
15 Minuten. Er führt zwar an einer viel befahrenen Straße entlang,
allerdings ist ein ausreichend großer Gehweg vorhanden. Die Kinder
müssen auf ihrem Weg zwei Ampeln überqueren, die Wartezeiten
sind dort relativ kurz (45 und 20 Sekunden). Spielplätze liegen nicht
auf dem Weg. Nur eine Rutsche ist neben dem Gelände der Landesgartenschau
(OLGA) zu sehen. Allerdings gibt es mehrere Trinkhallen und einen Supermarkt.
Ablenkend könnte eventuell die auf dem Schulweg liegende und seit
dem 1.Mai 99 geöffnete Landesgartenschau sein, wobei auch sie nicht
besonders interessant für Kinder sein dürfte. Bei der Beobachtung
der Asylkinder auf dem Weg zur Schule konnten wir nichts auffälliges
feststellen. Viele Kinder warten in der Siedlung auf die anderen Kinder,
was offensichtlich zu Verspätungen führt. Einige Kinder gehen
auch alleine zur Schule, doch meist sind es Gruppen von 3-4 Kindern. Die
Kinder gingen auf geradem Weg zur Schule und kamen dort auch an, ohne
daß es besondere Konflikte gab. Zwar machten einige Kinder Zwischenstops
an Trinkhallen, doch der Aufenthalt dort war nur von kurzer Dauer. Sie
kauften sich dort etwas Süßes oder Brötchen .Hierbei stellt
sich die Frage, wie wichtig das Frühstücksbrot in den Flüchtlingsfamilien
genommen wird und ob und wie man den Nutzen eines Frühstücksbrotes
unterstützen kann. Fazit: Der Schulweg an sich kann kein Hinderungsgrund
für einen regelmäßigen Schulbesuch sein, da es keine besonderen
ablenkenden Dinge gibt.
4 Der Unterricht in der
Integrationsklasse
An
der Heideschule ist für die Asylkinder eine Integrationsklasse eingerichtet
worden um Lerndefizite zu beheben und die Kinder später in ihre Stammklassen
einzugliedern. Die Klasse wird mehr oder weniger regelmäßig zur Zeit von
11 Kindern besucht. Der Klassenraum, ein schlecht ausgestatteter und sehr
beengter Gruppenraum, läßt lediglich Frontalunterricht ohne Bewegungsfreiheit
zu. Da fast alle Kinder keinen Kindergarten besucht haben, ist dieses
besonders problematisch, da fast kein Kind die Fähigkeit besitzt, sich
über einen längeren Zeitraum hinweg konzentrieren zu können. Diese Fähigkeit
wird aber im Kindergarten geschult. Zur Zeit wird die Klasse von einer
Zeitangestellten, die eigentlich als Vertretungslehrerin eingestellt ist,
unterrichtet. Um herauszufinden ob der Unterricht ein Grund für den mangelnden
Schulbesuch ist, hospitierten wir an einem Vormittag in der Klasse: Die
Kinder beteiligen sich zum Teil sehr eifrig am Unterricht, allerdings
wissen sie oft nicht was sie sagen sollen, wenn die Lehrerin sie zum Gespräch
auffordert. Nach kurzer Zeit läßt bei fast allen die Konzentration nach
und der Lärmpegel steigt deutlich an. Einige erarbeiten ihre Aufgaben
selbständig, doch meist wird die Hilfe der Lehrerin in Anspruch genommen.
Die Lehrerin bleibt auch bei einem sehr hohem Lärmpegel ruhig. Ihre Stimme
wird dann zwar etwas lauter, aber sie beginnt nicht zu schreien. Sie ist
zwar konsequent, aber sie wirkt nicht übertrieben streng. Sie gibt den
Kindern Hilfestellungen und erklärt ihnen etwas, wenn nötig auch mehrmals,
wenn sie etwas nicht verstanden haben. Auffällig sind die Verspätungen
der Kinder, manche haben bis zu 315 Verspätungsminuten im Monat. Fazit:
Der Unterricht an sich dürfte kein Hinderungsgrund für den Schulbesuch
sein. Die Lehrerin verhält sich den Kindern gegenüber weder abwertend
noch ablehnend, auch scheinen die Kinder sie zu mögen
5 Der Kindergarten
Neben
der Siedlung ist ein Kindergarten. Da es sich hierbei um die KTE Emek,
einem interkulturellen Kindergarten handelt, stellt sich natürlich die
Frage: Warum besuchen fast keine Kinder
der Siedlung den Kindergarten? Um dies in Erfahrung
zu bringen, setzten wir uns mit der Leiterin der Einrichtung in Verbindung.
Diese erzählte uns, daß in den Vorjahren schon oft Kinder angemeldet
waren, diese aber meist nach ein paar Monaten wieder abgemeldet werden
mußten. Auf unsere Frage hin nannte sie uns folgende Gründe:
5.1 Da der Kindergarten eine Elterninitiative ist, muss ein Beitrag in
Höhe von 30 DM zur Selbsterhaltung beigetragen werden. Allerdings wurde
dieser von den Eltern der Asylkindern sehr selten bezahlt.
5.2 Die Kinder müssen aus pädagogischen (so können Elterngespräche geführt
werden) und vor allem haftungsrechtlichen Gründen vom Kindergarten abgeholt
werden. Allerdings wurden die Kinder so gut wie nie abgeholt.
5.3 Oft kamen die Kinder sehr müde in den Kindergarten, da es in der Siedlung
bis spät in die Nacht sehr laut ist. Es ist natürlich schwer möglich in
einem Zimmer einzuschlafen, in dem sich aus Platzgründen noch andere Personen
aufhalten. Sie schliefen dann morgens erst einmal auf einer Matratze im
Kindergarten eine ganze Zeit. Dies ist natürlich nicht der Sinn des Kindergartens.
5.4 Die Asylkinder kommen sehr unregelmäßig in den Kindergarten. Oft fehlen
sie mehrere Wochen. So besetzen sie einen wichtigen Kindergartenplatz
der auch anderweitig schnell zu besetzen wäre.
Alle diese Gründe treffen meist geballt aufeinander. Da der Kindergarten
nach Aussagen der Leiterin nie Unterstützung zu diesem Thema bekommen
hat, ist sie zur Zeit auch nicht bereit, Asylkinder aufzunehmen. Sie erwartet
Hilfe durch andere Institutionen. Es wäre allerdings sehr wichtig, daß
die Asylkinder einen Kindergarten besuchen, um erst einmal besser die
deutsche Sprache zu beherrschen und um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu
erwerben, die in der Schule erwartet werden. Daß dies möglich ist, zeigt
ein Beispiel eines Mädchens aus der Siedlung, das vor einem Jahr ohne
irgendwelche Vorkenntnisse zu besitzen und einem sehr geringen Wortschatz
an deutschen Wörtern in den Kindergarten gekommen ist. Dieses Jahr wird
sie in die Grundschule kommen und besitzt nach Einschätzung der Leiterin
sehr gute Voraussetzungen dafür. Fazit: Dadurch, daß die meisten Asylkinder
keinen Kindergarten besucht haben, fällt es ihnen natürlich sehr schwer,
im Unterricht den Anforderungen zu entsprechen. Allein das Stillsitzen
und eine längere Konzentration sind fast unmöglich. Der fehlende Kindergartenbesuch
kann einer der Gründe für den mangelnden Schulbesuch sein, da der Unterricht
den Kindern möglicherweise deshalb besonders schwer fällt.
6 Die Wohnsiedlung
Die
Asylbewerber leben konzentriert in einer Siedlung auf der Baustraße. In
45 Wohnungen sind ca. 206 Menschen untergebracht. Ein Asylbewerber hat
im Durchschnitt ca. 6,09 m2 zur Verfügung. Da sich sehr viele Personen
wenige Räume teilen müssen, gibt es keinen Rückzugsbereich. Die Kinder
können abends sehr schlecht einschlafen, da sich noch immer andere Personen
im Raum befinden. So bekommen sie zu wenig Schlaf und sind morgens übermüdet.
Die meisten Bewohner der Siedlung sind Zigeuner und haben natürlich eine
ganz andere Lebensweise. Für sie ist es nicht üblich, morgens früh aufzustehen
und z.B. zur Schule zu gehen. Bei abendlichen Beobachtungen der Siedlung
stellten wir auch fest, daß sich die Kinder bis spät abends noch auf dem
Hof aufhalten und dort spielen. Da die Asylbewerber sehr konzentriert
leben bilden sich natürlich Kinder- und Jugendbanden, die aufgrund sehr
ärmlicher Verhältnisse oft kriminelle Taten begehen. Allerdings sind diese
Gangs auch oft die zweite Familie, mit der man natürlich lieber rumhängt,
als in der Schule zu sitzen. Fazit: Die Situation in der Siedlung ist
ein wichtiger Grund für den mangelnden Schulbesuch. Der mangelnde Schlaf
der Kinder führt dazu, daß sie morgens zu müde sind um aufzustehen und
zur Schule zu gehen. Es gibt keine Möglichkeiten sich zurückzuziehen,
um in ruhiger Atmosphäre Hausaufgaben zu erledigen. Außerdem ist es auch
so, daß ein regelmäßiger Schulbesuch einfach nicht zu der Mentalität der
Zigeuner gehört.
7 Ein spezieller Fall
Wir hatten uns nun schon allgemein damit beschäftigt, Gründe
für den mangelnden Schulbesuch herauszufinden. Uns interessierte
nun aber auch ein spezieller Fall, an dem wir untersuchen wollten, warum
der Schulbesuch nicht regelmäßig stattfindet. Da das Stadtteilcentrum
sich im Rahmen der Jugendhilfe mit einigen Familien besonders beschäftigt,
lag es nicht fern, ein Kind aus einer dieser Familien anzusprechen und
zu begleiten. Besonders wird sich im Moment mit der Familie X beschäftigt
.Diese Familie lebt seit ca. 10 Jahren in Deutschland. Der ältere
Sohn Y (15 Jahre) sowohl auch der jünger Sohn Z ( 8 Jahre) sind schon
häufig durch kriminelle Delikte bei der Polizei aufgefallen. Y lebt
zur Zeit in einer individualpädagogischen Betreuung außerhalb
von Oberhausen. Z sollte eigentlich die Integrationsklasse der Heideschule
besuchen, allerdings fehlt er dort fast immer und fällt nach Angaben
der Lehrerin durch Störungen des Unterrichts auf. Er erhielt deshalb
auch schon an einem Tag Schulverbot. Bei unserer Hospitation des Unterrichtes
konnten wir bei Z eine erhebliche Konzentrationsschwäche feststellen.
Weiterhin hinkt er aufgrund seiner vielen Fehlzeiten dem Rest der Klasse
hinterher. Die Lehrerin vermutet bei ihm eine Lernschwäche. Nach
einem Besuch in der Wohnung der Familie sprachen wir auch mit der Mutter.
Sie erzählte uns, daß sie keinerlei Einfluss auf das Verhalten
ihres Sohnes habe und er sich oft bis 11 Uhr nachts "irgendwo draußen
herumtreibe. So sei er natürlich morgens nicht ausgeschlafen. Da
der Vater wegen einiger Delikte im Gefängnis sitzt, ist die Mutter
im Moment die einzige Erziehende. Ihre Kultur sieht es aber so vor, daß
nur ein Mann das ãSagenÒ hat. Außerdem teilte uns Z mit, daß
er von serbischen Kindern oft beschimpft oder sogar verprügelt werde,
daß also der Krieg im Kosovo hier fortgesetzt wird. Bei unseren
Beobachtungen konnten wir davon nichts feststellen. Allerdings ist es
möglich, daß es passierte, als wir nicht in der Nähe waren.
Fazit: Bei diesem Jungen liegen die Defizite sicherlich auch an der fehlenden
Erziehung des Vaters. Außerdem könnte der ältere Bruder
eine eher negative Vorbildfunktion haben. Auch in dieser Familie liegt
es natürlich an der Wohnsituation in der Siedlung, die einem Schulbesuch
entgegen steht.
8 Interviews
mit Anwohnern
Wir erfuhren durch unsere Nachforschungen eine Menge über die Asylbewerber,
trotzdem oder gerade deshalb interessierte uns die subjektive Meinung
einiger Anwohner der Siedlung. Es war sehr schwer, Antworten auf unsere
Fragen zu bekommen, da viele von vornherein ablehnten, spätestens dann,
wenn sie hörten, um was es in der Umfrage ging. Manche allerdings waren
gerne bereit, unsere Fragen zu beantworten.
Wir wollten wissen, wie die Anwohner der Siedlung über
die Flüchtlinge denken! Um das zu erfahren, führten wir Interviews durch.
Dabei kam folgendes heraus: , Die meisten der Befragten haben sich noch
nie Gedanken zu diesem Thema gemacht. , Viele fühlen sich durch die Anwesenheit
der Flüchtlinge gestört, nennen aber keine besonderen Gründe dafür. ,
Einige sind der Meinung, den Flüchtlingen müsste stärker geholfen werden.
Andere dagegen meinen, so wie es jetzt ist, würde es reichen. , Die meisten
meinen zwar, es sei in Ordnung, daß sie hier sind, solange sie sich benehmen.
Allerdings macht sich kaum jemand Gedanken darüber, wie sie leben und
ob es ihnen auch gut geht. Da die Antworten mitunter sehr unterschiedlich
ausfielen wollen wir hier einige Zitate wiedergeben.
Die Meinung der Anwohner über Flüchtlinge in ausgewählten
Stellungnahmen, die die Bandbreite der Aussagen spiegeln:
Waren
sie schon einmal in der Siedlung?
¥ ãNein ich war noch nicht in der Siedlung, ich kann mir auch
nicht vorstellen wie es dort aussieht.Ò
¥ ãNein ich war noch nicht in der Siedlung, aber so wie es dort aussieht
leben sie dort nicht so gut.Ò
¥ ãIch war noch nicht in den Häusern, aber drumherum ist es ja schrecklich.
Jeder kloppt sich eine Stange in den Boden mit einer Antenne dran, überall
hängen Teppiche, schlimm.Ò
Was fällt ihnen spontan zum Thema Asylbewerber
ein?
¥ ãDie passen sich nicht an.Ò
¥ ãHeimatlos, ganz andere Mentalität, alle Menschen sind gleich.Ò
¥ ãKann ich gar nichts zu sagen.Ò
Würden sie ihre Kinder mit Asylkindern spielen
lassen?
¥ ãWarum nicht, das sind genauso Menschen wie wir.Ò
¥ ãIch habe Enkelkinder, aber meine Schwiegertochter würde die bestimmt
nicht mit denen spielen lassen.Ò
¥ ãWeiß ich nicht, kann ich nicht sagen.Ò
Haben sie positive oder negative Erfahrungen mit
Asylbewerbern gemacht?
¥ ãGegen Asylbewerber habe ich eigentlich nichts, wenn die sich ordentlich
benehmen, aber man sieht ja wie verdreckt es hier ist.Ò
¥ ãIm großen und ganzen habe ich mit dem Thema noch nichts zu tun gehabt.Ò
¥ ãIch wurde zwar schon mal von einem Asylanten überfallen, aber das hätte
ja auch ein Deutscher sein können.Ò
Sind sie der Meinung, das den Asylbewerbern mehr
geholfen werden muss, sei es durch Geld oder menschliche Hilfe?
¥ ãWenn alte Sachen für die gesammelt werden, dann schmeißen sie eh weg
was ihnen nicht gefällt. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Hab ich
jedenfalls gehört.Ò
¥ ãSie müssen ganz schnell integriert werden und arbeiten dürfen, damit
sie sich heimisch fühlen.Ò
¥ ãManche brauchen ja wirklich Hilfe. Aber von mir aus können sie die
Häuser abreißen und den früher geplanten Parkplatz dort hinbauen. Die
leben außerdem vom Staat und sollten mehr Dankbarkeit zeigen"
9 Die Ergebnisse der Untersuchung
1 Der Schulweg wirkt sich kaum auf die Regelmäßigkeit
des Schulbesuchs aus.
2 Der Unterricht selbst ist nicht
der Grund für den mangeln- den Schulbesuch, aber: - die Lehrerin
ist eher notgedrungen für die Asylantenkinder da; das System der
Schule würde eher Vertretungsunterricht für sinnvoll halten
- der Klassenraum ist zu klein und grenzt Entfaltungsmöglichkeiten
ein.
3 In der Siedlung herrschen katastrophale Verhältnisse: - die Kinder
haben keine Rückzugsmöglichkeiten - die Kinder können abends nicht früh
genug einschlafen,um morgens fit zu sein - die Menschen in der Siedlung
haben eine für uns fremde Mentalität: Ein regelmäßiger Schulbesuch wird
von vielen als nicht besonders wichtig angesehen - die Kriminalität in
der Siedlung ist hoch und sicher auch in der dort herrschenden ärmlichkeit
und Enge mit begründet.
4 Der Kindergarten neben der Siedlung wird von den Asylkindern
(fast) gar nicht besucht. - Oft waren Asylkinder angemeldet, doch da viele
Schwierigkeiten auftraten und der Kindergarten keine Hilfe von anderen
Institutionen bekommen hat, mussten die Asylkinder wieder abgemeldet werden.
- Durch den mangelnden Kindergartenbesuch fehlen den Kindern wichtige
Voraussetzungen für die Schule (z.B. die Fähigkeit sich über einen längeren
Zeitraum hinweg konzentrieren zu können).
10 änderungsvorschläge
Durch unsere Untersuchungen hatten wir nun herausgefunden welche
Dinge den regelmäßigen Schulbesuch beeinflussen. Es war deshalb klar,
dass einige Dinge geändert werden müssen, um den Schulbesuch zu verbessern.
Folgende Dinge sollten unserer Meinung nach geändert werden:
10.1 Alle beteiligten Institutionen müssen zusammenarbeiten und sich der
Wichtigkeit dieser Sache bewusst sein.
10.2 Für den Unterricht in der Integrationsklasse muss ein Lehrer eingestellt
werden, der nur für diese Klasse zuständig ist und nicht als Lehrer 2.
Klasse bezahlt werden.
10.3 Der Unterricht muss in einem größerem Raum stattfinden der auch Platz
für z.B. eine Spielecke bietet.
10.4 Der Idealfall wäre eine Auflösung der konzentrierten Siedlung und
die Beschaffung menschenwürdigerer Wohnverhältnisse.
10.5 Den Eltern der Asylkinder muss klargemacht werden, wie wichtig ein
regelmäßiger Schulbesuch für ihre Kinder ist.
10.6 Da die Kinder der Siedlung oft verschlafen und so zu spät oder gar
nicht zur Schule kommen wäre es sinnvoll einen "Weckdienst" einzurichten.
Diesen könnte z.B. eine Mutter in der Siedlung übernehmen.
10.7 Eine individuelle Förderung der Kinder, die in der Schule erhebliche
Schwierigkeiten haben, ist notwendig.
10.8 Eine regelmäßige Hausaufgabenbetreuung wäre sinnvoll, da eine Förderung
innerhalb der Familie meist nicht stattfindet.
10.9 Da die Kinder auch Schwierigkeiten bei einem regelmäßigem Kindergartenbesuch
haben, wäre es vielleicht sinnvoll eine ãVorgruppeÒ einzurichten, die
auf den Kindergarten vorbereitet.
11 Reflexion
Dieses Praktikum war etwas völlig neues für uns. Wir hatten bis dahin
ja nur ein Praktikum im Kindergarten gemacht, und wussten überhaupt nicht,
was uns erwartet. Im Vorfeld des Praktikums besprachen wir zwar mit Herrn
Ortmann das Projekt, aber trotzdem wussten wir nicht so genau, was eigentlich
von uns erwartet wurde. Auch im Praktikum hatten wir manchmal das Gefühl,
nicht zu wissen, wie es denn nun überhaupt weitergehen soll. Doch diese
Angst legte sich irgendwann, als wir merkten, daß es eigentlich ganz gut
klappte. Besonders gut gefiel uns an diesem Praktikum, daß wir völlig
selbstständig arbeiten konnten und uns nur ein bestimmter Rahmen vorgegeben
wurde. Auch das Thema an dem wir arbeiten sollten, erwies sich als sehr
interessant und breitbandig. Aber wir beschäftigten uns ja nicht nur mit
dem Projekt, sondern sollten auch die tägliche Arbeit des Jugendamtes
kennenlernen. Da diese ja sehr vielfältig ist, konnten wir natürlich nicht
alles kennenlernen, sondern beschäftigten uns mit den Dingen, die uns
besonders interessant erschienen. Dazu gehörten Besuche bei der Jugendgerichtshilfe,
bei der Drogenberatung und bei der Pflegekinder- und Adoptionsvermittlungsstelle.
Dort erzählten uns die Mitarbeiter etwas über ihre Arbeit und die Hintergründe.
Aber auch im Stadtteilcentrum hatten wir die Möglichkeit, in einige Dinge
hineinzuschnuppern. Dabei interessierte uns besonders das Lesen von Akten
über Fälle, die im Jugendamt bearbeitet werden. Dabei lernten wir besonders
die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Vorher hatten wir immer gedacht,
wenn Eltern und Kinder starke Probleme miteinander haben, muss das Kind
in ein Heim. Durch das Lesen der Akten und auch durch Gespräche mit den
Mitarbeitern wurde uns klar, wie viele individuellen Hilfsangebote es
für Familien gibt. Wir denken, daß uns das in unserer Arbeit als Erzieherinnen
nur nützlich sein kann. Etwas Negatives können wir über dieses Praktikum
eigentlich überhaupt nicht berichten. Es war alles sehr interessant und
informativ. Auch die Mitarbeiter des Stadtteilcentrums waren sehr nett
und beantworteten uns geduldig alle Fragen. In der Meinung über unsere
berufliche Zukunft, hat uns dieses Praktikum bestärkt. Wir hatten schon
vor dem Praktikum mit dem Gedanken gespielt, später einmal als Sozialarbeiterinnen
im Jugendamt zu arbeiten. Nach den 4 Wochen im Stadtteilcentrum denken
wir, daß wir dies auch einmal wirklich tun werden. Wir denken, daß wir
nach unserer Ausbildung zur Erzieherin erst einmal in einem Heim arbeiten
werden und nach ein paar Jahren Sozialpädagogik- Sozialarbeit studieren
werden. Danach möchten wir aber auch erst einmal wieder im Heim arbeiten,
um praktische Erfahrung zu sammeln. Später möchten wir dann ganz gerne
im Jugendamt arbeiten. Zusammenfassend können wir nur sagen, daß wir sehr
froh sind, die Möglichkeit gehabt zu haben, dieses Praktikum zu machen.
So hatten wir einen Einblick in eine Arbeit, die man so nicht ohne weiteres
kennenlernen kann. Besonders auch die Arbeit an dem Projekt hat uns begeistert
, weil wir so eine Menge über die Asylbewerber erfahren habe. Mit diesem
Thema hatten wir uns vorher nie auseinandergesetzt.
Dies ist die Internetfassung -- wir
haben aber auch eine Schriftfassung -- und eine Ausstellungsfassung
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